RückBlick: „Sturmlokal“

16. Januar 2007

Nachdem am 29.Mai.2004 der dritte „Thüringentag der nationalen Jugend“ mitten in der Saalfelder Innenstadt und Ende August 2004 ein Nazikonzert im nahe gelegenen Wald bei Bucha, jeweils mit etwa 300 Rechtsradikalen vollkommen ungestört verliefen, schien die örtliche Szene gefallen an Rechtsrockevents gefunden zu haben.
Der für sein Alter schon relativ lange in der Szene aktive Steffen Richter, welcher u.a. auch den Nazi-Online-Shop „2Hard4U“ betreibt, organisierte so zum Beispiel am 14.Januar 2005 in der Gorndorfer Gaststätte „Schlupfwinkel“ einen Auftritt des Bands „Blutstahl“ aus Jena, „Batallion“ aus Gotha und „Legion Germania“ aus dem Nachbarbundesland Bayern. Hierbei nahm die Polizei einen Neonazis wegen „Heil Hitler“ Rufen fest und stellte Stichwaffen sicher.
Ingo Witzmann aus Kaulsdorf mietete unter den Deckmantel seines Hausmeisterservices einige hundert Meter entfernt in der Albert-Schweitzer-Str. 142 „Büro und Werkstatträume“ an, welche er der lokalen rechten Szene zur Verfügung stellte. Direkt neben dem städtischen Jugend- und Stadtteilzentrum befand sich damit ein täglich geöffneter Treffpunkt, der sich schnell zur gut frequentierten Anlaufstelle für Neonazis und deren Umfeld entwickelte. Neben der Nutzung als eine Art Selbstverwalteter nationaler Jugendclub, diente das „Sturmlokal“ auch als Veranstaltungsort für Geburtstage, Wahlkampfveranstaltungen und Rechtsrockkonzerte. Als am 11.Juni 2005 beim nationalsozialistischen „Fest der Völker“ in Jena weniger Zeit als ursprünglich geplant zur Verfügung stand, begeisterten im Anschluss die niederländische Rechtsrock Band „Brigade M“ und zwei weitere aus dem Thüringer Raum kommende etwa. 80 Neonazis, in den mit Tarnnetzen, NPD-Plakaten und einer Reichskriegsflagge geschmückten Saalfelder Räumlichkeiten.
Am 16.Juli.2005 sollte im so genannten „Sturmlokal“ der „Abschied eines Kameraden“ gefeiert werden, allerdings wurde diese Zusammenkunft von der Polizei vor dem eigentlichen Ende aufgelöst nachdem Gesänge mit neonazistischen und antisemitischen Textzeilen in die Nachbarschaft vorgedrungen waren. Hierbei wurden eine Schusswaffe, mehrere Schlagstöcke und 63 CDs mit verfassungsfeindlichem Inhalt sichergestellt.
Eine weitere rechte Musikveranstaltung, die ebenfalls von dem zum Führungspersonal des „Sturmlokals“ gehörenden Steffen Richter organisierte wurde, hatten die Ordnungsbehörden Ende September frühzeitig untersagt.
Richter führte auch am 24.09.05 ein Rechtsrockkonzert mit den Bands „SKD“ und „Race War“ in denselben Räumlichkeiten durch, allerdings wurde auch dieses vor dem regulären Ende von der Polizei aufgelöst. Und die „Dankeschön Veranstaltung“, welche die neonazistische NPD am 8.Oktober 2005 anlässlich der Erfolgreichen Ergebnisse bei der letzten Bundestagswahl für ihre WahlkampfhelferInnen organisierte, musste kurzfristig von Saalfeld in die „Pilsner Schenke“ nach Rudolstadt verlegt werden. Seitens der Stadt Saalfeld wurde der Mietvertrag für das „Sturmlokal“ wegen nicht vertragsgemäßer Nutzung zum 25.07.2005 fristlos bzw. zum 30.09.2005 ordentlich gekündigt.

Antifa-Recherche-Team [ART] Oberland, Januar 2007


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