Saalfeld – Im braunen Herzen Deutschlands

01. Februar 2006

Am vergangenen Samstag fand in Darmstadt ein Neonazikonzert mit mehr als 500 Besuchern statt, welche hierfür zum Teil sogar aus Italien, Frankreich, der Schweiz und Tschechien angereist waren. Unter anderem spielten dabei „Gigi und die Braunen Stadtmusikanten“ und die Band „Blitzkrieg“. Für Samstag den 11.02.2006 planen Neonazis in Saalfeld[Thüringen] ebenfalls ein Konzert mit diesen beiden

Bands, zusätzlich angekündigt werden zudem noch „Asatru“ und „SKD“.
Für die Region Saalfeld wäre es im Gegensatz zu Darmstadt aber nicht das erste Konzert dieser Art seit langem sondern eines von vielen. Nachdem am 29.Mai.2004 der dritte so genannte „Thüringentag der nationalen Jugend“ mitten in der Saalfelder Innenstadt und ein Nazikonzert am 28.August.2004 im Wald bei Bucha jeweils mit etwa 300 Rechtsradikalen vollkommen ungestört verliefen scheint die örtliche rechte Szene gefallen an Rechtsrockevents gefunden zu haben. Allein im Saalfelder Stadtgebiet fanden seitdem mindestens vier weitere Nazikonzerte statt. Unter anderem am 14.Januar 2005 hierbei nahm die Polizei einen Neonazi wegen „Heil Hitler“ Rufen fest und stellte Stichwaffen sicher. Als im Juni in Jena das nationalsozialistische „Fest der Völker“ zelebriert und frühzeitig beendet wurde, verlagerten einige Teilnehmer im Anschluss ihr Konzert nach Gorndorf. Dort spielte dann unter anderen die holländische Rechtsrock Band Brigade M, eine der bekanntesten Nazibands Europas. Am 16. Juli löste die Polizei im Stadtteil Gorndorf ein weiteres rechtes Konzert auf und stellte hierbei eine Schusswaffe, mehrere Schlagstöcke und 63 CDs mit zum Teil verfassungsfeindlichen Inhalt sicher, bekannt geworden ist zudem noch eines am 24.09.05.

Saalfeld hat was das braune Herz begehrt
Bereits in den 90er Jahren nutzten Alt- und Neo-Nazis den Raum Saalfeld und seine Umgebung als Veranstaltungs- und Austragungsort für ihr faschistoides Gedankengut. Nach einigen Aufmärschen, zahlreichen Neo-Nazikonzerten, der Besetzung eines leer stehenden Fabrikgeländes und unzähligen Angriffen auf alternative Jugendliche in der Vergangenheit ist die Region seit einiger Zeit erneut im Fokus der Rechtsextremisten. Die lokale Neonazi Szene ist heute so präsent wie schon lange nicht mehr, Saalfelder Neonazis nehmen regelmäßig an regionalen und bundesweiten Aufmärschen Teil und pflegen beste Kontakte zu Gleichgesinnten auch über die Landesgrenzen hinaus.
Der „Mädelring Thüringen“ ein Kameradschaftsähnlichen Zusammenschluss rechtsextremer Frauen hat seinen Sitz ebenso in der Stadt, wie das von Rechten betriebene Tattoostudio Eastside-Nr.1 welches mit dem vertrieb der einschlägig bekannten Nazimarke Thor Steinar beste Umsätze macht.
Im Saalfelder Stadtteil Gorndorf befand sich bis vor kurzen ein unter dem Deckmantel eines Hausmeisterservices angemietet Treffpunkt der Rechten Szene welcher mit unzähligen NPD Plakaten, rechten Stickern und einer großen Reichkriegsflage geschmückt und meist besser besucht ist als das Städtische Jugend und Stadtteilzentrum direkt gegenüber. Der Mietvertrag dieses auch gerne von Neonazis aus Gera und Jena besuchten Treffs wurde nach mehrfachen Anwohnerbeschwerden von der Stadt zwar nun endlich gekündigt, die Betreiber haben nach eigenen Aussagen aber bereits eine neue Räumlichkeiten in Aussicht.
Bei der letzten Bundestagswahl im Herbst 2005 erreichte die rechtsextreme NPD in der Region dann Ergebnisse welche bundesweit ihresgleichen suchen im Stadtgebiet knapp 5% und in einigen anliegenden Ortschaften zum Teil sogar über 8% der Wählerstimmen.

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